Ihr-Recht-Blog

13. Dezember 2012

Aktuell: Architekten: Volle Haftung bei geringem Honorar!

Filed under: Bau- und Architektenrecht — Schlagwörter: , , , , , — ihrrecht @ 11:40

Gegenüber einem Schadensersatzanspruch wegen eines Planungsmangels kann ein selbstständiger Architekt nicht einwenden, dass der Auftraggeber das in keinem Verhältnis zum Honorar stehende Kalkulationsrisiko in unzulässiger Weise auf ihn abgewälzt habe.

Dies hat das OLG Naumburg mit Urteil vom 27.05.2011 Az. 5 U 1/11 entschieden.

Unter Verlagerung ihres Kalkulationsrisikos auf die Versicherung des Vertragspartners hatte die Klägerin, eines der größten deutschen Bauunternehmen, die Beklagte, eine kleine Ingenieurgesellschaft, bei insgesamt 29 Vorhaben mit der Ermittlung von Rohbaumassen beauftragt, wobei Kalkulationsgrößen zwischen 150.000,00 bis 55,2 Mio. Euro Auftragswerte von lediglich 750,00 Euro bis 5.285,00 Euro gegenüberstanden.

Nachdem sich bei zwei dieser Vorhaben herausgestellt hatte, dass die von der Beklagten ermittelten Massen nicht ausreichten, nahm die Klägerin die Beklagte jeweils auf Schadensersatz in Anspruch.

Die Beklagte hat unter anderem geltend gemacht, bei den Angebotskalkulationen für Pauschalpreisverträge seien keine hohen Anforderungen an den Genauigkeitsgrad zu stellen, zumal die Klägerin nicht habe erwarten dürfen, dass ihr die Beklagte für ein Honorar i.H.v. lediglich 3.500,00 Euro das Kalkulationsrisiko abnehme.

Das OLG Naumburg ist dieser Ansicht nicht gefolgt. Dass das mit einer bestimmten Tätigkeit verbundene Risiko in keinem Verhältnis zum dadurch erzielten Einkommen steht, sei auch in anderen Lebensbereichen nicht ungewöhnlich. Dem kann nur dadurch begegnet werden, dass man das Risiko versichert oder nicht eingeht. Es sei auch allein Sache des Auftragnehmers, einzuschätzen, ob er einen Auftrag mit seinem Personal in der zur Verfügung stehenden Zeit ordnungsgemäß auszuführen in der Lage sei, so der Senat.

Die Beklagte war mit dem übernommenen Auftrag auch nicht ersichtlich überfordert. Allerdings gerät der Auftraggeber dann in einen nach § 254 Abs. 1 BGB beachtlichen Selbstwiderspruch, wenn ihm der konkrete Sachverhalt Anlass für die Annahme bietet, der Unternehmer werde durch die ihm angetragenen Arbeiten überfordert, weil er die erforderliche Ausstattung oder die notwendige fachliche Kompetenz nicht besitzt (vgl. BGH, NJW-RR 1988, 98 f; NJW 1991, 165; NJW 1993, 1191, 1192; NJW-RR 2006, 1264, 1266). Der Klägerin könne man aber auch als einem der größten Bauunternehmen nicht nachweisen, dass ihr auch bekannt war, dass die Beklagte den Auftrag mit ihrem Personal innerhalb einer Woche nicht ordnungsgemäß bewältigen konnte.

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