Ihr-Recht-Blog

16. Oktober 2014

OLG Celle: Haftung des Architekten für Umplanungen Dritter!

Wurde ein Architekt mit sämtlichen Leistungsphasen der HOAI beauftragt und wird ein Teil der Leistung von einem anderen Baubeteiligten "umgeplant", muss der Architekt den neuen Plan prüfen und für eine sach- und fachgerechte "Einpassung" an den Gesamtplan sorgen.

Darauf hat das OLG Celle mit Urteil vom 06.03.2014, Az. 5 U 40/13 abgehoben.

In dem seitens des OGL Celle entschiedenen Fall stritten die Parteien streiten um Mängel an einem Parkhaus, das die Klägerin als Bauherrin in den 90er Jahren errichten ließ. Sie hatte den Beklagten als Architekten mit den Leistungsphasen 1 bis 9 betraut, eine weitere die Beklagte führte Estrich und Bodenbelagsarbeiten auf dem obersten Parkdeck aus. Der seitens des Gerichtes bestellte Gutachter kam in seinem Gutachten  zu dem Ergebnis, die geplante und ausgeführte Konstruktion des oberen Parkdecks entspreche nicht den Anforderungen und sei nicht dem Stand der Technik entsprechend geplant und ausgeführt worden. Die gesamte Dachfläche sei nicht mit durchgehenden Dehnfugen versehen worden.

Der beklagte Architekt hatte die Auffassung vertreten, die alleinige Verantwortung für die aufgetretenen Mängel habe die ausführende Firma zu tragen. Er habe den Fugenplan weder aufgestellt noch überprüft. Er hätte ihn vielmehr zur Überprüfung an den dafür zuständigen Statiker Dipl.Ing. K. weitergegeben, der ihn freigegeben habe.

Nach Ansicht des Senats  kann sich der Beklagte Architekt nicht etwa damit entlasten, für den Fugenplan sei der Tragwerksplaner als Sonderfachmann der Klägerin zuständig gewesen. Aus den von ihm vorgelegten Unterlagen folgt, dass der Fugenplan mit dem Tragwerksplaner "abgestimmt" worden sein soll. Dem Vortrag des Beklagten lasse sich nicht entnehmen, dass er die Aufgabenbereiche zwischen ihm und dem Tragwerksplaner sorgfältig abgegrenzt hätte. Nach dem Architektenvertrag war der Beklagte verpflichtet, die Leistungen der Sonderfachleute zeitlich und fachlich zu koordinieren, mit seinen Leistungen abzustimmen und diese einzuarbeiten.  Soweit der Beklagte einräume, eine Leistungsbeschreibung für den tatsächlich ausgeführten Estrich nicht erstellt zu haben, weil das oberste Parkdeck umgeplant worden sei stelle dies einen Mangel in der Leistung des Beklagten zu 1 dar: war er der "Umplaner", hatte er eine Leistungsbeschreibung zu erstellen, war dies ein Dritter, hatte der Beklagte zu 1 den neuen Plan zu prüfen und für eine sach und fachgerechte "Einpassung" an den Gesamtplan zu sorgen, so das OLG Celle.

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